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Arbeitslosigkeit à la Helvetia

Julian Widiger | 08/14/2019

Obwohl die Erwerbslosenquote in der Schweiz auf einem historisch tiefen Niveau von 4.4% (2018) liegt, ist Arbeitslosigkeit dennoch ein allgegenwärtiges Schicksal. Damit den Mitmenschen, die in die Arbeitslosigkeit geraten, wieder auf die Beine geholfen werden kann, braucht es die Unterstützung der Allgemeinheit. Die zwei massgeblichen Institutionen zum Schutz und zur Unterstützung von Arbeitslosen in der Schweiz sind die RAV und die ALK. Doch was steckt hinter diesen ominösen Abkürzungen, wo liegt der Unterschied und hat das System auch Schwächen?

Die RAV

Die RAV sind sogenannte Regionale Arbeitsvermittlungszentren. Der Name ist Program. Denn die Aufgabe der RAV ist es, Arbeitslosen bei der Stellensuche unter die Arme zu greifen. Sie vermitteln also Arbeit. Damit erfüllen die RAV die zentrale Aufgabe, Arbeitslose so gut und schnell wie möglich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Diese Aufgabe ist deshalb so wichtig, da eine lange Arbeitslosigkeit auf die psychische Gesundheit der Betroffenen schlägt. Aber auch die Lohneinbussen steigen bei Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit stetig. Während der Lohnrückgang nach vier bis sechs Monaten „nur“ bei 1.8% liegt, sind die Einbussen nach über zwei Jahren Arbeitslosigkeit gar bei rund 30%. Damit nimmt das Risiko von Armut ebenfalls erheblich zu.

Die ALK

Den Weg wieder in den Arbeitsmarkt zurück zu finden ist eine Sache. Wie die Dauer der Arbeitslosigkeit aber finanziell überbrückt werden soll, ist eine gänzlich Andere. Dafür sind die Arbeitslosenkassen (ALK) zuständig. Sie überprüfen ob die arbeitslosen Personen Anspruch auf sogenannte Arbeitslosenentschädigung geltend machen können und zahlen gegebenenfalls ebenjene Taggelder an die Arbeitslosen aus. Damit stellen die ALKs das finanzielle Überleben von Mitmenschen ohne Arbeit sicher. Mit dieser Kombination aus finanzieller Unterstützung durch die Allgemeinheit und fachlicher Unterstützung zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt geht die Schweiz das Problem von Arbeitslosigkeit an.

Was ist Arbeit?

Gänzlich von Kritik verschont, ist aber auch dieses System nicht. So weisen Kritiker darauf hin, dass eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt in Anbetracht der sich stark ändernden Arbeitswelt kein Allheilmittel mehr darstellt. Automatisierung und Globalisierung machen es ungemein schwerer Arbeit zu finden und brechen damit das Stigma Arbeitslosigkeit sei eine Einstellungssache. Wer unter diesen veränderten Umständen mit Wiedereingliederungsmassnahmen hantiere, drücke Arbeitslose in eine regelrechte Armutsfalle. Denn wer nur Arbeitslosengelder beziehen kann, der nach Arbeit sucht, die es aber immer seltener gibt, wird früher oder später komplett in die Sozialhilfe und an der Rand der Gesellschaft gedrängt. Historiker wie der Niederländer Rutger Bregman weisen daher darauf hin, dass wir unser Verständnis von Arbeit neu entdecken müssen. Denn klassische Jobs entfernten sich zunehmend von tatsächlicher Wertschöpfung zu blosser Geldschieberei. Sinnstiftende Arbeit würde immer wie seltener vom Arbeitsmarkt entlohnt. In Bregmans Augen spielt daher ein bedingungsloses Grundeinkommen eine zentrale Rolle. Nur so hätten die Menschen die Freiheit eben jener dringend benötigten sinnstiftenden und wertschaffenden Arbeit nachzugehen.

Noch verzeichnet das Schweizer System aber messbare Erfolge. Ob die Schweiz in Anbetracht des sich stark verändernden Arbeitsmarktes auch in Zukunft an dieser Kombination aus RAV und ALK festhalten kann, bleibt fraglich. Zumindest der Ruf nach einer Neuentdeckung des Begriffes der Arbeit scheint mittelfristig unumgänglich zu sein.

Der Autor, Julian Widiger, geboren 1992, ist Masterstudent der Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich. Seit 2014 arbeitet Herr Widiger im Bereich Social Media Management. Aktuell ist er dabei für die Firma DLS in Zofingen und die Stiftung SimplyScience.ch in Zürich tätig. Herr Widiger ist Mitbegründer der Musikplattform Besides Sessions, die seit 2014 unbekannten Schweizer Künstlern über Youtube und weitere Social Media Kanäle einen Online-Auftritt bietet.

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